Advent und Weihnachten

Das Weihnachtsfest gehört mit der Adventszeit für unsere fast durchweg christlich geprägten Vorfahren zu den großen kirchlichen Festen im Jahreslauf. Über die Jahrhunderte haben sich bis auf den heutigen Tag eine Vielzahl von Bräuchen erhalten, die jedoch weniger auf unsere wendischen Vorfahren als vielmehr auf die weltweite Verbreitung des christlichen Weihnachtsfestes zurückzuführen sind. So lassen sich über die Entstehung und Verbreitung des weihnachtlichen Brauchtums speziell in Schmogrow sichere Aussagen lediglich für die letzten 100 - 150 Jahre treffen – für die Zeit davor fehlen verlässliche Quellen.

Die weihnachtliche Vorbereitungs- oder Adventszeit beginnt am viertletzten Sonntag vor dem Weihnachtsfest. Der Begriff Advent geht auf das lateinische "adventus" zurück, was übersetzt "Ankunft" bedeutet und auf die Geburt Christi hinweist. Die Adventszeit war ursprünglich eine Fastenzeit, in der keine Tanzvergnügen stattfanden und in der auch nicht geheiratet werden durfte.

Untrennbar mit dem Advent ist das Winden und Aufstellen von Adventskränzen verbunden. Dieser relativ junge Brauch geht auf Johann Hinrich Wichern zurück. Dieser begründete und betrieb zu Beginn des 19. Jhd. in Hamburg das "Raue Haus", eine Einrichtung für sozial schwache Kinder und Jugendliche. Er lies seine Zöglinge bei den abendlichen Andachten in der Adventszeit täglich eine Kerze entzünden und auf einen Holzkranz stecken. Zu Weihnachten erhellte der Lichterkranz dann feierlich den Saal. Der Kranz trug vier große weiße Kerzen für die Adventssonntage und 19 kleine rote Kerzen für die Werktage bis zum heiligen Abend. Besonderes Augenmerk richtete Wichern dabei auf das Sinnbild der Kerzen als "Licht in der Finsternis".

Ausgehend vom "Rauen Haus" trugen Mitarbeiter diesen Brauch in ihre Häuser und Gemeinden und verbreiteten ihn zunächst im protestantischen Norddeutschland. Bald setzte er sich aber auch im Süden Deutschlands durch und verbreitete sich, meist durch Auswanderer, letztlich weltweit. Schon 1860 wurde der Holzkranz nicht nur mit Kerzen, sondern auch mit Tannengrün geschmückt. Im Verlauf der Zeit wurde aus dem Holzreif der aus Tannengrün geflochtene Kranz, der nur noch mit den vier dickeren Kerzen für die Adventssonntage versehen war. So kannten den Kranz bereits zu Beginn des vorigen Jhd. unsere Vorfahren in Schmogrow und die Generationen haben diesen Brauch bis heute bewahrt.

Ein weiterer Brauch ist das Beschenken der Kinder am St. Nikolaus Tag, dem 6. Dezember, in der Adventszeit also. Dieser Brauch ist allen bekannt - weniger bekannt ist vielen, dass es den legendären "Bischof Nikolaus" wohl wirklich gegeben hat. Geboren soll er zwischen 280 und 286 n. Chr. worden sein. Um sein Leben ranken sich zahlreiche Legenden. Eine erzählt, dass er in verarmten Familien durch gezielte Geldgeschenke Not linderte. Die Geschenke warf er heimlich durch das Fenster oder durch den Kamin. Die Gaben fielen in die vor den Kamin aufgehängten Socken und aufgestellten Schuhe.

So lässt sich die historische Entstehung des schon von unseren Vorfahren gepflegten Brauches erklären, nach dem es noch heute unter den Kindern von Schmogrow üblich ist am Vorabend des 6. Dezember, dem Tag an dem Nikolaus zwischen 345 und 351 n. Chr. gestorben sein soll, geputzte Schuhe in der Nähe von Fenstern und Türen aufzustellen, die dann über Nacht mit allerlei Leckereien und kleinen Geschenken gefüllt sind.

Der Begriff Weihnachten selbst leitet sich vom hochdeutschen "zu den wihen nahten" (zu den heiligen Nächten) ab. Offizielle Weihnachtsfeiertage sind der 25. und 26. Dezember. Der 25. Dezember war als Tag der Wintersonnenwende in vielen Kulturen ein besonders wichtiger Tag. Es gab zu diesem Datum eine Vielzahl kultischer und heidnischer Bräuche. Papst Hyppolit versuchte um 217 n. Chr. alle diese Kulte zu beseitigen, in dem er das Fest der Geburt Christi auf den 25. Dezember legte. Sinnbildlich gilt Weihnachten, der Geburtstag Christi, als Wintersonnenwende der Weltgeschichte. In Deutschland erklärte die Mainzer Synode 813 diesen Tag offiziell zum "festum nativitas christi", dem "Geburtsfest Christi". Mit dem Weihnachtsfest begann damals das Kalenderjahr.

Der 1. Januar wurde erst 800 Jahre später mit der Einführung des Gregorianischen Kalenders zum Jahresbeginn. Den eigentlichen Feiertagen geht mit dem 24. Dezember die heilige Nacht, die Nacht der Geburt Jesu, voran. Gemäß dem hohen kirchlichen Feiertag gingen die Menschen zum Gottesdienst, bis 1954 in die Kirche nach Fehrow. Es gab aber auch Christvespern am Abend des 24. Dezembers in der Schmogrower Schule. Ebenso feierlich war auch die Kleidung der Menschen. Es überwog in den schlichten Kirchgangstrachten die Festfarbe der Wenden - schwarz. Dem Feiertag angemessen wurde gut gegessen und gekocht.

Untrennbar mit dem Weihnachtsfest verbunden war schon für unsere Vorfahren der Weihnachts- oder Christbaum. Er ist ein noch sehr junges Symbol des Weihnachtsfestes. Seine Tradition geht keine 400 Jahre zurück. Den Brauch jedoch die düstere Winterzeit mit immergrünen Pflanzen als Hoffnung auf neues Leben und Kerzen als Hoffnung auf neues Licht zu schmücken gab es schon weitaus länger. Die Lebenskraft, die in wintergrünen Gewächsen steckte, wurde als Heilkraft gedeutet.

Schon 1535 wird aus Straßburg berichtet, dass kleine Eiben, Stechpalmen und Buchsbäume zum Fest verkauft wurden – hier noch ohne Kerzen und ohne Schmuck. Im 18. Jhd. wurde der Tannenbaum häufiger. 1780 soll der erste, kerzengeschmückte Weihnachtsbaum in Berlin gestanden haben. Der Brauch erreichte die Menschen in unsrem Dorf schnell und so kannten unsere Vorfahren schon vor 100 – 150 Jahren den Weihnachtsbaum geschmückt mit Kerzen, bunten Glaskugeln und Lametta sowie Engelshaar.

Der wendischen "Drebom", eine Art Weihnachtspyramide als Vorreiter des Weihnachtsbaumes, wie sie aus dem benachbarten Burg überliefert ist, ist für Schmogrow nicht eindeutig bezeugt. Wohl hat aber vor dem II. Weltkrieg die Familie von Christian Lehmann einen aus Holz gefertigten Weihnachtsbaum besessen, der einen Mechanismus zum Aufziehen besaß und ähnlich einer Spieluhr Weihnachtsmelodien spielte. Ob diese Variante des Dreboms aber für Schmogrow typisch war oder aus anderen Kirchspielen durch Heirat oder Umzug eingebürgert wurde ist heute nicht mehr nachzuverfolgen.

Ein weiterer wichtiger Brauch zum Weihnachtsfest sind die Weihnachtsgeschenke. So war es in Schmogrow selbst in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten üblich sich zu beschenken. Die Wurzeln dieses alten Brauches liegen in der christlichen Weihnachtsgeschichte. Das Schenken sollte im Gedenken an Gottes Erlösungsgeschenk an uns Menschen - Jesus Christus - geschehen. Die Weihnachtsgeschenke sind aber auch eine Erinnerung an die Gaben der heiligen drei Könige an das Jesuskind.

Über die Beschergestalten der vergangenen Zeit in und um Schmogrow ist wenig überliefert. In den letzten zwei Jahrhunderten kannten unsere Vorfahren den "Weihnachtsmann" in Form des Christkindes, einer in weiß gekleideten Gestalt, die die Geschenke überbrachte oder während der Nacht unter dem Christbaum ablegte.

Das Christkind wurde von Knecht Ruprecht, einer meist in Fell gekleideten Person begleitet. Den Weihnachtsmann, wie wir ihn heute kennen, gab es vormals nicht. Für die weltweite Verbreitung des in rot gewandeten Weihnachtsmannes mit weißem Bart sorgte erst um die Jahrhundertwende zum 20. Jhd. der Coca-Cola-Konzern, der bestehende Beschergestalten in seine Firmenfarbe rot kleidete und werbewirksam vermarktete.

Das Weihnachtsfest endet mit dem Epiphaniasfest am 6. Januar. Es gilt als ältestes Fest der Kirche und wurde schon um 300 n. Chr. im Osten als Fest der Geburt Jesu / der Taufe Jesu gefeiert. Im Laufe der Zeit verlagerte sich im Westen der Schwerpunkt auf die Geschichte von den drei Weisen aus dem Morgenland, wodurch ein engerer Bezug zum Weihnachtsfest hergestellt wurde.

Ein traditionelles "Sternsingen", wie es in vielen katholischen Gegenden üblich ist, hat es in Schmogrow wohl nicht gegeben, wohl sind zu verschiedenen Zeiten aber auch Kinder verkleidet in Schmogrow unterwegs gewesen, die das Weihnachtsfest gesanglich ausläuteten.

Der 6. Januar bzw. der darauf folgende Freitag war aber auch traditionell der Tag der Woklapnica. Die Woklapnica war seit jeher eine Versammlung der Dorfgemeinschaft, die Rechenschaft über das vergangene Jahr gibt und Neues beschließt. Es wurde auch der Verstorbenen gedacht und die neuen Wirte im Dorf begrüßt. Nach mehreren Jahren Pause gibt es in Schmogrow seit einigen Jahren wieder regelmäßig eine Woklapnica.