Der Jahreslauf im alten Schmogrow

Betrachtet man den Lauf des Jahres unserer Vorfahren im alten Schmogrow, so war er nicht ausschließlich vom Verlauf der Monate im Kalender bestimmt. Vielmehr beeinflussten das Leben der Menschen grundsätzlich zwei Faktoren.

Zum einen war dies der Lauf des Arbeitsjahres, also der Wechsel zwischen Wachstum und Ruhe in der Natur, zwischen Saat und Ernte. Zum anderen bestimmte das Kirchenjahr mit seinen Feiertagen als feste Größen das Leben der Menschen in Schmogrow.

Diese Orientierung war für die Menschen wesentlich. Der kalendarische Wechsel der Monate hatte in den vergangenen Jahrhunderten nur nebensächliche Bedeutung. Erst mit der allmählichen Industrialisierung und der Erweiterung des Handels über die Dorfgrenzen hinaus wurde der eigentliche kalendarische Jahreslauf für die Menschen bedeutsamer. Bis dahin hatten sie sich überwiegend an Kirchen- und Arbeitsjahr orientiert.

Wir möchten versuchen ein Jahr mit seinen Höhepunkten darzustellen.

Beginnen wir unsere Reise durch den Jahreslauf unserer Vorfahren mit dem Anfang des neuen Kirchenjahres am ersten Advent. Die Adventszeit beginnt am viertletzten Sonntag vor dem 25. Dezember. Sie ist die Zeit der Vorbereitung und des Wartens auf die Geburt Jesu. Die Adventszeit endet mit dem Weihnachtsfest am 24. Dezember, dem heiligen Abend - der heiligen Nacht also, dem Tag der Geburt Jesu. Darauf folgen am 25. und 26. Dezember mit den Weihnachtsfeiertagen das Geburtsfest Jesu. Weihnachten gehörte für die Menschen unseres Dorfes zu den hohen religiösen Feiertagen. Der Weihnachtsfestkreis findet sein Ende am 06. Januar, dem Tag der heiligen drei Könige.

Die Weihnachtsfesttage liegen im kälteren Winterhalbjahr, der Zeit im Arbeitsjahr der Bauern, in der durch die Wachstumspause bedingt die Feldarbeit ruht. Sie ist gekennzeichnet durch Wintertätigkeiten wie die Versorgung des Viehs, Reparaturarbeiten an landwirtschaftlichem Gerät oder dem "Holz machen" als typische Winterarbeit der Männer. Die Frauen sorgten sich um den Haushalt, die Mädchen gingen zur Spinte.

Der Wechsel des kalendarischen Jahres also Silvester und Neujahr waren für die Menschen insofern von Bedeutung, dass, gemäß der kirchlichen Symbolik, der "Altjahresabend" als ein Tag des Rückblicks auf das vergangene Jahr, der Neujahrstag als ein Tag des Ausblicks auf das Kommende begangen wurde. Der Jahreswechsel stellt sich somit als ein ernstes Dank- und Bittfest dar. Man ging zum Gottesdienst mit Abendmahl.

An diese Zeit schließt sich nahtlos die Fastnachtszeit im Februar an. Die Tage werden länger und die winterliche Ruhezeit geht Ihrem Ende entgegen.Fastnacht fand in Schmogrow Anfang Februar statt. Die Fastnachtszeit endete spätestens mit der Passionszeit. Diese beginnt am Aschermittwoch, also 40 Tage vor Ostern, wobei nur die Werktage, nicht aber die Sonntage gezählt werden. Mit der Fastnacht endete auch die Winterzeit der Bauern. Jetzt liefen die Vorbereitungen für das Ausbringen der Saat auf vollen Touren. Auch die winterliche Spinte der Mädchen fand mit der Fastnacht ihren Höhepunkt aber auch Abschluss.

Die Passionszeit ist die Zeit des Leidens Jesu. In dieser Zeit gab es keine Tanzveranstaltungen, die Fastnachten waren beendet. Auch an der Kleidung erkannte man den getragenen Anlass – farbige Kleidung trug man in dieser Zeit keine. Zugleich ist der Aschermittwoch der Beginn des Osterfestkreises. Die Passionszeit nimmt ihren Höhepunkt in der Karwoche. Diese beginnt mit dem Palmsonntag, dem Sonntag vor Ostern, an dem an Jesu Einzug in Jerusalem gedacht wird. Der Donnerstag vor Ostern, der Gründonnerstag, erinnert an das letzte Abendmahl mit den Jüngern vor der Kreuzigung. Ihren Höhepunkt nimmt die Karwoche mit dem Karfreitag, dem überlieferten Todestag Jesu. Mit dem Karsamstag endet die Passionszeit.

Um Mitternacht mit dem Beginn des Ostersonntags feiern die Menschen das Osterfest, das Fest der Auferstehung Jesu. Die Passions- und Osterzeit gehört zu den wichtigsten Festen im kirchlichen Jahreskreis. Somit hat sich hier eine Vielzahl von Bräuchen wie Ostersingen, Osterwasser, Osterfeuer, Patenamt usw. erhalten.

Das gesamte Kirchenjahr wird bezugnehmend auf das Osterfest eingeteilt. So fällt Ostern immer auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Der erste Frühlingsvollmond ist dabei der erste Vollmond, der am Tag der Frühjahrestagundnachtgleiche, dem astronomischen Frühjahrsbeginn also, oder danach stattfindet. So liegt das Osterfest kalendarisch zwischen dem 22. März und 25. April eines jeden Jahres.

Mit dem Frühjahr begann für unsere Vorfahren mit der beginnenden Vegetationsphase auch wieder die arbeitsreiche Zeit. Mit Aussaat und Pflanzung wurde der Grundstein für die Ernte und somit die wirtschaftliche Sicherheit der Dorfgemeinschaft gelegt. Der erwachende Frühling, nach dem langen düsteren Winter begründet Brauchtum wie Maibaum stellen.

Kirchenjährlich endet die Osterzeit mit dem Pfingstfest, das am 50. Tag nach dem Osterfest, kalendarisch also eigentlich am Pfingstmontag, begangen wird. Dem Pfingstfest geht 39 Tage nach dem Ostersonntag der Himmelfahrtstag voraus. Dieser Tag bezeugt die Himmelfahrt Jesu Christi, die heute gebräuchliche Form als Vatertag ist vom eigentlichen Sinn vollständig abgekoppelt und hatte für unsere Vorfahren keine Bedeutung. Dem Pfingstfest folgt der Trinitatis-Sonntag, das Dreifaltigkeitsfest (Vater-Sohn-Heiliger Geist).

Im Arbeitsjahr überwog jetzt vor allem die Arbeit auf den Feldern. Zum Feiern blieb kaum Zeit. So musste die ausgebracht Saat gehegt werden. Man begann schon jetzt mit den Wintervorbereitungen – so mit der Heumaat um den Futterbedarf der Tiere im Winter zu sichern.

Mit den Monaten Juli und August näherte sich die Zeit der Getreideernte, die eine besondere wirtschaftliche Grundlage für die Dorfgemeinschaft bildete. War das Korn eingebracht feierte man in Schmogrow die sommerlichen Erntefeste mit ihren Elementen Hahnschlagen und Hahnrupfen. Auch danach blieben auf dem Feld vielerlei Tätigkeiten zu verrichten, so mussten die Spätfrüchte wie Kartoffeln und Rüben eingebracht werden.

War die Ernte dann etwa Mitte bis Ende Oktober beendet, feierte man dies mit der Kirmes. Mit der Kirmes begann für die Bauern auch das ruhigere Winterhalbjahr. Für kulturelles Leben blieb mehr Zeit als im arbeitsreichen Sommer. So beginnt mit der Kirmes auch wieder die Spinte der Mädchen.

Die Dankbarkeit über eine reiche Ernte zeigt sich auch im kirchlichen Erntedank. Die Frucht der Erde betrachteten unsere Vorfahren als Gottesgeschenk, sie brachten daher ihre Dankbarkeit im Gottesdienst dar.

Der Lauf des Kirchenjahres neigt sich dem Ende. Der letzte Sonntag des Kirchenjahres, der Sonntag vor dem ersten Advent also, wurde auch in Schmogrow als Ewigkeitssonntag bzw. Totensonntag begangen. In der kirchlichen Symbolik nimmt der Ewigkeitssonntag eine besondere Stellung ein. Er erinnert dankbar an jeden Tag des Lebens, aber auch an den Tod und ist zugleich voller Hoffnung auf das ewige Leben bei Gott. In Schmogrow war es üblich am Totensonntag der Verstorbenen zu gedenken. Dazu schmückte man die Gräber mit Tannengrün und Kränzen. Nach dem Gottesdienst besuchte man die Gräber seiner Angehörigen.

Somit schließt sich der Jahreskreis unserer Vorfahren am letzten Sonntag des Kirchenjahres. Der darauf folgende erste Advent steht ganz im Zeichen des Lichtes und der Erwartung der Geburt von Jesus Christus.