Kirmes und Erntedank

Im Jahreskreis der Bauern nahm die Ernte immer eine zentrale Stellung ein. Wie besonders wichtig für die Dorfgemeinschaft eine reiche Getreideernte war, spiegelt sich vor allem in Bräuchen wie Hahnschlagen und Hahnrupfen wieder. Jedoch war die Getreideernte nicht allein Garantie für ein sorgenfreies Leben der Dorfgemeinschaft im nahenden Winter. Wenn die Klänge der Musik bei den sommerlichen Erntefesten verklungen war, lag vor den Bauern noch ein recht langer und arbeitsreicher Weg. Vor allem galt es die Spätfrüchte wie Rüben oder Kartoffeln einzubringen. Diese waren ebenso eine wichtige Nahrungsgrundlage und nicht zuletzt musste auch das Vieh im Winter ausreichend versorgt werden.

Waren dann im Oktober die letzten Feldfrüchte mit vereinten Kräften, bei der Ernte beispielsweise der Kartoffeln half man sich gegenseitig, eingebracht und die Bewohner unseres Dorfes schauten auf eine reiche Ernte gab es wieder Grund zum Feiern und zur Dankbarkeit.

Unsere meist durchweg gläubig geprägten Vorfahren dankten Gott für die reiche Ernte und das gute Wetter. So ist es in Schmogrow bis heute üblich im Oktober Erntedankgottesdienst zu feiern. Dazu ging man bis in die 1950-er Jahre in die Kirche nach Fehrow. Die Kirche wurde mit den Gaben aus Feld und Garten festlich geschmückt. Jeder gab mit Freude was er hatte und geben konnte. Die gesammelten Gaben wurden nach dem Gottesdienst kostenlos an bedürftige Menschen weitergegeben – so an kirchliche Heime, Kindergärten oder Pflegeeinrichtungen. Erntedankgottesdienste gab es in der Kirchengeschichte schon sehr früh, aber erst im 19. Jhd. wurde das Erntedankfest in Preußen offizieller Festtag. Sicher gewinnen mit diesem Fest auch die oft gedankenverloren benutzten Worte "Gott sei Dank!" eine neue Bedeutung.

Ein weiteres großes Fest zum Ernteabschluss ist die Kirmes. Sie trennt, wie im Februar die Fastnacht, die für die Bauern etwas ruhigere Winterzeit von der arbeitsreichen Sommer- und Vegetationszeit. Der Begriff "Kirmes" leitet sich eigentlich von "Kirchmess" im Sinne von "Kirchweih", einem alten katholischen Brauch, die Einweihung einer neuen Kirche und den entsprechenden Jahrestag zu feiern. Wie sich der Begriff für das in Schmogrow stattfindende Fest zum Ernteabschluss entwickelte, lässt sich heute nicht mehr abschließend klären.

Die Kirmes fand an einem Wochenende im Oktober, nachdem die Ernte vollständig eingebracht war, statt. Im Dorfgasthaus war Tanz, zu dem sich die Dorfgemeinschaft in der festlichen wendischen Tanztracht versammelt hatte. Für die Bauern begann nach dem ruhelosen Sommer auf dem Feld die etwas arbeitsärmere Winterzeit. So beschäftigten sich die Männer mit der Versorgung des Viehs, Reparaturarbeiten am landwirtschaftlichen Gerät sowie der Versorgung der Wirtschaft mit Brenn- und Heizmaterial, während die Frauen ihrer häuslichen Tätigkeit nachgingen, für die während der Sommermonate häufig zu wenig Zeit blieb.

Auch das kulturelle Dorfleben lebte in den Wintermonaten auf. Für die Mädchen begann nach der Kirmes die Zeit der Spinte. Sie dauerte bis zur Fastnacht. Beim Kirmestanz ist es daher bis auf den heutigen Tag üblich die Mädchen, die im selben Jahr konfirmiert wurden, in die Dorfjugend aufzunehmen – sie gingen nun erstmalig zur Spinte. Die Burschen mussten sich mit der Aufnahme in die Jugend noch bis zur Fastnacht gedulden.

Auch wenn heute für die meisten Bewohner unseres Dorfes der direkte Ernteertrag vom eigenen Land an wirtschaftlicher Bedeutung verloren hat, so sind die Bräuche zum Ernteabschluss dennoch lebendig geblieben.